Amateurfunk

Warum denn Amateurfunk, wenn ich doch mit meinem Handy zu jeder beliebigen Zeit an  jeden beliebigen Ort der Erde telefonieren kann?

Diese Frage kann nur jemand stellen, der vom Bazillus Amateurfunk nie befallen wurde. Was aber ist das Faszinierende am Hobby Amateurfunk? Für mich ist es die Beschäftigung mit der Technik und die Erkundung der Ausbreitungsbedingungen auf der Kurzwelle. Außerdem ist es die Möglichkeit, durch den Einsatz dieser Technik weltweit mit Gleichgesinnten und Freunden zu kommunizieren. Es ist immer wieder ein Erfolgserlebnis, wenn das von meiner eigenen Antenne abgestrahlte Signal z. B. von jemandem in Japan oder Australien gehört und beantwortet wird.

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Das Hobby Amateurfunk beinhaltet eine Vielzahl von von Betätigungsfeldern. Für mich ist die immerwährende Jagd nach DX, also nach exotischen Funkpartnern auf der Kurzwelle das Bedeutendste. Hinzu kommt dann das Sammeln der begehrten QSL-Karten, die zur Bestätigung der Funkverbindung anschließend ausgetauscht werden.

Meine QSL- Karten- Sammlung besteht inzwischen aus mehreren tausend Stück, wobei die wohl exotischste Karte die QSL der Expedition nach Clipperton Island (FOØCI) ist, mit der ich im März 1992 eine kurze Sprechfunkverbindung über den Amateursatelliten AMSAT OSCAR 13 hatte.

Die Insel Clipperton liegt etwa 1000 km südwestlich von Mexico im Pazifischen Ozean. Sie ist ein unbewohntes Atoll und gehört zum Territorium Frankreichs.

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Ein wichtiger Antriebsmotor für die DX - Jagd ist das so genannte DXCC-Diplom, das von der ARRL (American Radio Relay League), dem Dachverband der US-amerikanischen Funkamateure, herausgegeben wird an alle, die Funkverbindungen mit mindestens 100 Ländern der Erde nachweisen. Hierbei handelt es sich genau genommen nicht nur um Länder im eigentlichen Sinn, sondern um Gebiete (Entities). So ist zum Beispiel die Insel Sardinien ein eigenes DXCC- Gebiet, obwohl sie politisch zu Italien gehört.

Meine ‘Leistungsbilanz’ weist mittlerweile Verbindungen mit 275 Gebieten auf. Insgesamt gibt es zur Zeit 339 Gebiete. Es bleibt also noch viel zu tun. Im Pazifik warten noch jede Menge Inseln.

Das geht so weit, dass unbewohnte Atolle im Pazifik, sowie auch andere kleine Inselchen, zu deren Bevölkerung kein einziger Funkamateur gehört, als eigenes DXCC-Gebiet gelten. Wie kommt es dann zu Amateurfunkverbindungen dorthin? Ganz einfach: Man nehme einen Batzen Geld, ein paar verrückte Abenteurer mit Amateurfunklizenz, beschaffe die nötigen Geräte, Antennen, Generatoren, Zelte, Verpflegung, Wasser, Treibstoff und Genehmigungen, chartere ein Schiff und baue für ein paar Tage oder Wochen eine Station auf so einer Insel auf.

Je nachdem, wie lange von dieser Insel keine Funkaktivität ausgegangen ist, kann man sicher sein, dass der Andrang von Funkamateuren in der übrigen Welt enorm ist. FOØCI (siehe oben) schaffte so mal eben 48.000 Funkverbindungen in 10 Tagen. Durchschnitt mehr als 3 QSOs pro Minute!

Die Jagd nach den Exoten ist aber natürlich nicht das einzige Betätigungsfeld. Da gibt es noch viel mehr. Neben den gemütlichen Plauderrunden, die den Amateurfunk nur als kostenloses Medium zum Tratschen nutzen, sind da noch Spezialisten am Werk, die sich ihre Funkgeräte selbst bauen. Ab einer bestimmten Betriebsfrequenz ist der Selbstbau sowieso das einzige Mittel, um an ein Funkgerät zu kommen. Für den Amateurfunk auf Höchstfrequenzen (Mikrowellen) bis in den Bereich von mehreren hundert Gigahertz gibt es nichts mehr im Laden fertig zu kaufen.

Andere haben sich darauf spezialisiert, mit möglichst wenig Leistung (QRP-Betrieb) zu funken. Dann gibt es noch Amateurfunk - Fernsehen, oder auf Kurzwelle die Übertragung von Bildern mit dem SSTV (Slow Scan Television) Verfahren, oder die Jagd nach Weitverbindungen auf UKW und UHF, wobei als Reflektor die Spuren von Meteoriten (Meteorscatter-Verbindungen) benutzt werden oder der Mond (EME, Erde-Mond-Erde- Verbindungen). Letzteres fordert natürlich einen enormen Aufwand an Sendeleistung und Antennen, da ja eine Entfernung von immerhin 2 x 380.000 km zu überbrücken ist.

Wieder andere sammeln Amateurfunk-Diplome. Das oben erwähnte DXCC-Diplom ist eines der begehrtesten, aber es gibt noch tausende andere, wie z. B. das WAE (Worked All Europe), für das man Verbindungen mit allen europäischen Ländern nachweisen muss. WAS (Worked All States) bekommt man, wenn man Verbindungen mit allen 50 Bundesstaaten der USA bestätigen kann, und und und... Die Liste von Amateurfunkdiplomen ist nahezu endlos bis hin zu Kuriositäten, wie das Düsseldorfer Altbierdiplom. Hierfür muss man Verbindungen mit Städten nachweisen, in denen Altbier gebraut wird. Das Diplom besteht aus einer Altbierflasche mit einem speziellen Aufkleber.

Dann gibt es da noch das Spezialgebiet des Satellitenfunks. Mehrere Dutzend von Amateuren gebaute Klein- und Kleinst- Satelliten umrunden unseren Erdball. Über eine entsprechende dreh- und in der Elevation schwenkbare Antenne lassen sich hierüber ebenfalls Funkverbindungen tätigen.

Die Satelliten-Spezialisten haben sich weltweit in der AMSAT (Radio Amateur Satellite Corporation) organisiert. Ziel dieser Vereinigung ist die Entwicklung, der Bau und Betrieb von Amateurfunk-Satelliten, sowie nachrichtentechnische und raumfahrtwissenschaftliche Forschung. Projekte werden hauptsächlich an Universitäten erarbeitet, unter Förderung durch die Wissenschaftsministerien.

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AMSAT OSCAR 13 im Labor der Unversität Marburg (Foto: AMSAT-DL)

Ein weiteres Spielfeld sind Amateurfunk-Wettbewerbe (Kontests), in denen sich Funkamateure in ihren Leistungen messen. Meist geht es darum, Funkverbindungen mit möglichst vielen verschieden anderen Stationen zu tätigen. Kaum ein Wochenende vergeht, ohne dass in irgendeinem Land einen Kontest stattfindet. Die ‘großen’ Wettbewerbe, wie der ARRL-DX, der WAEDC oder die weltweiten CQ-WW Kontests laufen über volle 48 Stunden samstags und sonntags. Der europäische Field Day läuft 24 Stunden und soll u.a. demonstrieren, dass Funkamateure in der Lage sind, im Katastrophenfall ein funktionierendes System zur Nachrichtenübertragung aufbauen und betreiben zu können. Diese Fähigkeiten haben sich tatsächlich schon des öfteren beweisen müssen, werden aber leider viel zu wenig in der Öffentlichkeit anerkannt.

Leider sind die Wettbewerbe teilweise zu einer echten Materialschlacht verkommen. Es gibt Kontestgruppen, die riesige Geldsummen sowie enorme Arbeitsleistungen in eine Super-Kontest-Station stecken, um den Sieg in einem solchen Wettbewerb quasi zu erzwingen. Sehen Sie sich mal spaßeshalber die Website von DF0CG oder OH8X an. Insbesondere deren 3-Element-Beam für das 160m - Band hat monströse Ausmaße, die einer kommerziellen Rundfunk- Sendeantenne in nichts nachstehen. Der Begriff Amateur - Funk wird hier zum Absurdum. Otto Normalfunker kriegt feuchte Augen und kann da natürlich nicht mithalten, darf aber noch als Punkte- Lieferant für die Big Guns herhalten.

Trotzdem macht Kontest Spaß, auch wenn man keine Chance auf den Sieg hat. Immerhin bietet sich dabei die Möglichkeit, seinen Länderstand zu erhöhen, oder einfach nur seine eigenen Leistungen zu steigern, wenn man sich vornimmt, sein Vorjahresergebnis zu übertreffen oder das beste Ergebnis im lokalen Club oder in der Region zu erringen.

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